
Mein Traumberuf war immer, Journalistin zu werden. Diesen Traum habe ich mir auf Umwegen erfüllt und ihn im letzten Drittel meines Berufslebens gehen lassen. Aber von vorn.
Als man noch per Knopfdruck steamte
Ich bin gelernte Diplom-Betriebswirtin für Medien- und Kommunikationswirtschaft. Habe mein Studium bei der Dresdner Bank in Frankfurt am Main und an der DHBW Ravensburg gemacht. Doch das war nicht der Weg, den ich gehen wollte. Darauf folgte ein zweites Studium in Hamburg (Politikwissenschaft, Journalistik und Sprachen des neuzeitlichen Indiens). Meine ersten Schritte im Journalismus konnte ich in Hamburg als Studentin bei tagesschau.de gehen (wo ich später ein Jahr als Redakteurin gearbeitet habe). In Zeiten, als man noch per Hand die tagesschau streamte und Fernsehredakteure dachten, dass das Internet mal abgeschaltet wird, habe ich die spannende Anfangszeit des Online-Journalismus begleiten dürfen. Erste Beiträge habe ich daneben fürs Freie Radio produziert und Artikel bei der damals noch erscheinenden Financial Times Deutschland geschrieben.
Radio – meine Creme für die Ohren
Schließlich brachte mich das ARD-Volontariat zur Deutschen Welle. Mit dem Auslandssender konnte ich in Bonn, Berlin, Brüssel und New York (im Finanzjournalistenbüro von Jens Korte) mein Lieblingsmedium Radio vertiefen auch wenn immer TV und Internet dazugehörten. Als freie Redakteurin habe ich im Anschluss beim WDR und beim Deutschlandfunk sechs Jahre als Online- und Nachrichtenredakteurin sowie Radio-Reporterin gearbeitet. Daneben habe ich mir als zweites Standbein durch meinen Vorstandsposten bei den Neuen deutschen Medienmachern einen Namen als Moderatorin gemacht.
Wenn der Beruf von KI überrollt wird
Durch meine Rückkehr in die Heimat Stuttgart musste ich den öffentlich-rechtlichen Rundfunk verlassen. Ich war wieder wie im Studium bei der Unternehmenskommunikation angekommen. Doch mit dieser Disziplin bin ich nie richtig warm geworden. Darum habe ich zehn Jahre immer nebenher als freie Redakteurin und Moderatorin gearbeitet. Seit den 2020er-Jahren spüre ich massiv, dass der Journalismus, für den ich angetreten bin, immer mehr bröckelt. Die alten Strukturen, bei denen das Handwerk zählt, lösen sich auf. Ob zu Recht oder nicht, es ist die Realität: KI nimmt meinem Traumjob immer mehr die Grundlage, und man darf neidlos gestehen: Junge News-Fluencer sind gut, ja, sogar verdammt gut, auch ohne die klassische Journalistenausbildung.
I don´t look back in anger
2026 habe ich daher einen Strich unter mein(en) Beruf(ung) gezogen.
„Wenn dir Wellen entgegenkommen, dann lern surfen!“
Das habe ich gewagt. Und was soll ich sagen: Es ist kein Schmerz da, nach 20 Jahren den Beruf der Rundfunkredakteurin und Moderatorin zurückzulassen. Im Gegenteil, ich schaue zufrieden zurück und lerne vor allem so viele spannende Dinge in der Versicherungswirtschaft. Denn heute berate ich Kund:innen aus der Medien- und Journalistenwelt zu ihrer Altersvorsorge beim Versorgungswerk der Presse, bei dem ich selbst seit Ende meines Volontariats Kundin bin. Ehrenamtlich mache ich weiterhin Kommunikation als Vorstandsmitglied im Verein Forum internationaler Frauen in Baden-Württemberg.
P.S.: Übrigens, nun weiß ich, warum ich mal Betriebswirtschaft studiert habe! Alles hat eben einen Sinn im Leben.